Gesellschaftsvertrags gebrochen

Erbe: Wer nicht erbt, hat wenig Chancen →

Es ist kein Erfolg des Sozialstaats, wenn 40 Prozent der Menschen von seinen Leistungen stark abhängig sind und geringe finanzielle und wirtschaftliche Autonomie haben. Der Anspruch der Sozialen Marktwirtschaft ist, allen Bürgern ein eigenverantwortliches Leben zu ermöglichen. Kann sie das für so viele nicht mehr einlösen, ist sie gescheitert. […]

Das größte Scheitern ist jedoch, dass die Hälfte der jungen Generation heute mit einer mäßigen Bildung geringere Chancen und geringere Einkommen als ihre Eltern haben wird. Sie kann weder aus dem eigenen Arbeitseinkommen Vermögen aufbauen, noch wird sie von ihren Eltern erben. Dafür muss sie jedoch finanziell viel mehr für die ältere Generation leisten als alle Generationen vor ihnen. Zudem hat sie durch technologischen Wandel und Globalisierung im Arbeitsleben höhere Risiken, arbeitslos oder wirtschaftlich abgehängt zu werden, als ihre Eltern. […]

Deshalb ist es nicht überraschend, dass trotz gesamtwirtschaftlich guter Zeiten 70 Prozent der Deutschen heute das Solidaritätsversprechen unseres Gesellschaftsvertrags als gebrochen und die soziale Ungleichheit in Deutschland als zu hoch empfinden. Das verursacht ganz konkrete wirtschaftliche Kosten für unser Land, denn die eingeschränkte Chancengleichheit hindert viele Menschen daran, ihre Fähigkeiten und Talente zu entwickeln und wertschöpfend einzubringen.

Ganz toller Artikel von Marcel Fratzscher.