Doreen Reinhard schreibt in »Ich dachte, ich muss dort sterben« für zeit.de

Die Geschichte vieler Heime und Jugendwerkhöfe ist inzwischen gut erforscht, nicht von allen Orten, aber es gibt Aufarbeitung und Aufklärung darüber, was in solchen Heimen passiert ist. Andere Orte wie die “Venerologischen Stationen” in vielen DDR-Kliniken, wo Mädchen und Frauen oft ebenfalls systematisch misshandelt wurden, sind noch immer ein blinder Fleck in der Öffentlichkeit. In der DDR wurden sie hinter vorgehaltener Hand “Tripperburgen” genannt. Wenn überhaupt darüber geredet wurde, galten sie als verpönter Ort.

Mein Verständnis davon gründet sich im Wesentlichen auf den Erzählungen meiner Großeltern und anderer Familienangehöriger. Diese Gespräche und Anekdoten beleuchteten nicht ausschließlich positive Aspekte. Vielmehr rückten sie häufig bekannte negative Facetten in den Fokus, sei es der Mangel an Rohstoffen oder die undenkbaren Fluchtversuche aus der DDR.

Beim Lesen von Artikeln über dieses Thema empfinde ich stets eine innere Bewegung. Ich frage mich dann, inwieweit Bekannte, Freunde oder sogar Familienmitglieder in die Geschehnisse jener Zeit verwickelt waren. Es ist eine Nachdenklichkeit, die mich ergreift und mich dazu anregt, tiefer in die individuellen Erfahrungen und Erlebnisse einzutauchen.