Seit dem politischen Kurswechsel im Weißen Haus werden die Forderungen nach digitaler Souveränität lauter. Unabhängig davon, wer dort regiert, ist es sinnvoll, dass sich ein Land technisch unabhängig machen kann.

In der Debatte fällt häufig der Name »openDesk«. Die Suite gilt vielen als Allzweckwaffe gegen Microsoft. Wer die Google Suite kennt, kann sich openDesk ähnlich vorstellen, allerdings mit weniger Funktionen. Das ist kein Mangel, sondern Folge des Konzepts. openDesk wurde für die Anforderungen deutscher Verwaltungen entwickelt, nicht für die private Nutzung.

openDesk geht auf die dPhoenixSuite von Dataport zurück. Diese Suite war nicht vollständig Open Source. Von einer vierstelligen Zahl an Softwareartefakten standen drei nicht unter einer Open-Source-Lizenz. Es handelte sich um Komponenten derselben Hersteller, die heute auch in openDesk vertreten sind. Dafür gab es deutliche Kritik. Trotz hoher Kosten brachte Dataport die dPhoenixSuite auf drei Hauptversionen. Zugunsten des openDesk wurde die Entwicklung eingestellt.

Seit Anfang 2024 liegt die Weiterentwicklung von openDesk beim Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung, kurz Zendis. Bislang wurde Version 1.12.0 veröffentlicht. Für Oktober 2025 waren weitergehende Pläne angekündigt, darunter Version 2.1, eine mobile Anwendung und Funktionen mit künstlicher Intelligenz.

Mit StackIT und B1 Systems stehen erfahrene Partner an der Seite des Projekts. Es fehlt nicht an fachlicher Kompetenz. Entscheidend sind politischer Wille und eine verlässliche Finanzierung. Diese Finanzierung kann man dem ZenDiS nur weiterhin wünschen.

Wenn das Digitalministerium eine souveräne Lösung nicht ausreichend finanziert, liegt der Gedanke nahe, dass eine Verwaltungsgemeinschaft die Weiterentwicklung übernimmt. Für ein Open-Source-Projekt wäre das naheliegend. In der Praxis tun sich Verwaltungen damit schwer. Sie sind es gewohnt, Leistungen zu beschaffen. Eigene Entwicklungen entstehen oft isoliert statt in Kooperation. Open Source wird eingekauft, eine substanzielle Beteiligung bleibt selten.

Das mag negativ klingen, ist jedoch so nicht gemeint. Es reicht nicht, nach openDesk zu rufen und damit digitale Souveränität zu erwarten. Das Problem ist komplex. Verantwortung tragen politische Mandatsträger auf allen Ebenen, vom Bürgermeister bis zum Bundeskanzler. Souveränität lässt sich nicht einkaufen. Sie entsteht durch eigenes Handeln.

Über Ländergrenzen hinweg betrachtet gilt La Suite numérique als französische Version von openDesk. Der Funktionsumfang ist kleiner, dafür wird die Plattform sehr aktiv weiterentwickelt.