Der 11. September hat sich in das kollektive Bewusstsein unserer Zeit eingebrannt. Was vor fast 25 Jahren geschah, wirkt aus meiner Sicht bis heute nach.

Meine These ist, der Ruf nach unabhängiger IT-Infrastruktur (#DigitaleSouveränität) ist eine Folge aus 9/11. Ich habe die Berichte und Studien der letzten Jahre leider nicht systematisch gesammelt, daher kann das nur eine These bzw. Meinung sein. Ich will sie hier aber gerne festhalten.

Nach 9/11 etablierte sich in der amerikanischen Politik ein Denken, das Misstrauen gegenüber anderen in den Mittelpunkt stellte. Die USA bauten politisch und ökonomisch ihre Haltung auf Überlegenheit zunehmend aus.

Die Veröffentlichungen von WikiLeaks machten sichtbar, wie weit das Misstrauen reichte. Edward Snowden legte 2013 offen, dass die USA auch ihre Verbündeten abhörten, bis in die Handys von Regierungschefs.

Mit Donald Trump zog 2017 ein Präsident ins Weiße Haus, der Bündnisse als Last bezeichnete. Er stellte die NATO infrage und begann Handelskonflikte mit Europa. Seine zweite Amtszeit ab 2025 setzt diese Linie fort. Die USA bzw. die aktuelle US-Regierung beanspruchen inzwischen offen die Führung der westlichen Welt und erwarten, dass sich die Verbündeten unterordnen.

Europa hat auf diese Entwicklung reagiert, indem es neue Gesetze schuf. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) trat 2018 in Kraft, der Digital Services Act (DSA) und der Digital Markets Act (DMA) folgten. Diese Gesetze begrenzen die Macht großer US-Plattformen und schützen Europäische Werte. Sie sind Ergebnis der Haltung, sich nicht dem Kurs der USA zu unterwerfen.

Der Wunsch nach digitaler Souveränität geht auf den gleichen Grund zurück. Das Bemühen zielt auf eigene Infrastruktur, eigene Cloud-Dienste und eigene Halbleiterfertigung. Was klingt wie eine Frage für Nerds, ist inzwischen viel mehr eine Frage nach der politischen Haltung.

Solange sich die Fronten verhärten, werden die Staaten nicht auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Wer ausschließlich eigene Interessen verfolgt und sich selbst in den Mittelpunkt stellt, schafft die Grundlage für Wirtschaftskriege und militärische Konflikte. Es wird erst besser, wenn die Staaten wieder auf Augenhöhe miteinander reden, handeln, kollaborieren und insgesamt gemeinsame Interessen verfolgen.