Digitale Souveränität jenseits der Mythen

Ich befasse mich seit mehreren Jahren intensiv mit digitaler Souveränität. Das begann lange bevor der Begriff zum Modewort wurde und dabei an Kontur verlor. Mythos 1: Digitale Souveränität nur mit Open Source? Open Source wird häufig mit digitaler Souveränität gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung greift zu kurz. Open Source kann den Vendor Lock-in verringern, ihn aber nicht vollständig vermeiden. Der öffentliche Diskurs richtet sich oft auf große und vergleichsweise leicht umsetzbare Migrationen. Dazu zählen Groupware wie E-Mail, Kalender und Kontakte, Kommunikationsplattformen oder Office-Lösungen. Solche Wechsel lassen sich politisch gut vermitteln, auch weil es inzwischen ausreichend nutzbare Alternativen gibt. Die zentrale Herausforderung liegt dabei weniger in der Technik als in den finanziellen Rahmenbedingungen. ...

10. Februar 2026 · 5 Minuten · 1104 Wörter

Kopien davon anlegen

Hartmut Gieselmann schreibt in »Offene Plattform, geschlossene Zukunft: Wie Microsoft in Schulen einzieht« für heise.de Microsoft hat diesen Mechanismus zur Perfektion kultiviert. Das Unternehmen verlangt nicht, dass die Schulen ihre Identitäten vollständig in die Microsoft-Cloud verlagern. Es reicht, dass sie identische Kopien davon anlegen. Und das passiert beinahe unsichtbar im Hintergrund.

3. Dezember 2025 · 1 Minute · 51 Wörter

Mehr als 250 % gestiegen

Das cyberintelligence.institute (CII) warnt in dem Whitepaper »Digitale Un-Souveränität der Verwaltung kostet Steuermilliarden« vor einer weiter wachsenden digitalen Abhängigkeit der deutschen Verwaltung von Microsoft-Cloud-Diensten. Die Studie beschreibt, wie Lock-in-Effekte, Produktbündelungen und proprietäre Standards die Wahlfreiheit der öffentlichen Hand einschränken, Wettbewerb im europäischen Cloud-Markt behindern und sowohl Kostenkontrolle als auch Cyberresilienz schwächen. So seien die Lizenzkosten des Bundes seit 2017 um mehr als 250 % gestiegen, während monolithische Strukturen zugleich die Anfälligkeit für IT-Störungen - etwa wie beim Crowdstrike-Vorfall 2024 - erhöhen. ...

13. November 2025 · 1 Minute · 81 Wörter

Klar und treffend

Frank Karlitschek hat auf computerwoche.de ein lesenswertes Interview gegeben: »Nextcloud-CEO: „Digitale Souveränität ist für mich nicht gelöst“«. Es enthält zwar keine völlig neuen Erkenntnisse, bringt das Thema aber klar und treffend auf den Punkt.

8. August 2025 · 1 Minute · 34 Wörter

Durch eine andere ersetzen

Diese Nachricht ist mir heute ins Auge gefallen und ich fand sie durchaus bemerkenswert. Tagesspiegel Background schreibt in »Vergabe: Cloud-Wechselfähigkeit in die Novelle schreiben« Cloud-Wechselfähigkeit sollte als Anforderung in der Vergabeverordnung verankert werden, fordert das Zentrum Nachhaltige Transformation (ZNT). In einer Stellungnahme zum Vergabebeschleunigungsgesetz des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE), die Tagesspiegel Background vorliegt, schlagen sie einen Passus vor, der in die Vergabeverordnung aufgenommen werden soll. Der Inhalt: Eine Behörde müsse eine IT-Lösung in jeder Cloud ihrer Wahl nutzen und „nach Vertragsende durch eine andere ersetzen“ können. Diese Möglichkeiten solle der Anbieter „weder rechtlich noch tatsächlich“ beschränken dürfen. Dieser Zusatz soll die Vergabeverordnung in dem Paragrafen ergänzen, der die Leistungsbeschreibung bei öffentlichen Aufträgen regelt. ...

1. August 2025 · 1 Minute · 111 Wörter